Musiktheaterprojekt recherchiert und frei nach wahren Begebenheiten und tatsächlichen Begegnungen erzählt von Stefan Weiller

Für „... und die Welt steht still… Letzte Lieder und Geschichten aus dem Hospiz“ führt  Autor Stefan Weiller Gespräche mit Menschen in Hospizen. Auf Einladung sammelt Weiller Lebenslieder und dazu gehörige Erinnerungen.  Die Eingangsfrage lautet: „Welche Musik ist Ihnen kostbar und welche Erinnerung verbinden Sie damit?" Auch Menschen, die zu Hause von einem Ambulanten Hospizdienst begleitet werden, beteiligen sich am Projekt. Aus Gedächtnisprotokollen und frei nach Motiven schreibt Weiller die Texte für die multimedialen Aufführungen. In jeder Stadt entsteht ein neues Aufführungserlebnis, das eng mit den Menschen und der Region verbunden ist. Die Letzten Lieder sind ein sich stetig wandelndes Kunstwerk. Das Projekt zeichnet den Weg durch mehrere Zimmer nach und repräsentiert fünf aufeinander folgende Jahreszeiten.  Im Zentrum steht die Frage nach Lebensqualität, die auch in der letzten Lebensphase möglich ist.



In den Aufführungen zwischen choreografiertem Konzert, Theater, Lesung und Video-Installation werden Geschichten und Lieder als musikalische Vermächtnisse versammelt, die nach dem Wunsch manches Gesprächspartners mitunter auch auf der Beerdigung gespielt werden sollen. Aber das Projekt trägt keinesfalls den Charakter einer Trauerfeier, sondern ist in vielen Passagen leicht und heiter, aber auch ernst und immer wahrhaftig. Trauer, Dankbarkeit, Angst, Heiterkeit, Zuversicht, Schmerz, Alltagserleben, Ausnahmezustände, Trost - "Und die Welt steht still" vereint scheinbar widersprüchliche Gefühle und erzählt vom nahen Tod, aber vor allem vom Leben.


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Radiosendung mit Projektinitiator Stefan Weiller. Ein Gespräch über Obdachlosigkeit, Liebe, Lieder, Geschichten, das Leben und Sterben, Einsichten und Ansichten im HR2-Kulturinterview. Sendung zum Nachhören: hr2 Doppelkopf am Tisch mit Stefan Weiller


Fernsehbericht Hamburger Letzte Lieder

Fernsehbericht Berliner Letzte Lieder



Die Vorbereitungen zu den "Letzten Liedern" begannen 2010. Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, die davon erzählen, wie ihr Leben klingt und ausklingt, waren zwischen 27 und 96 Jahren alt. Seit 2014 besucht Weiller auch sterbende Kinder und Jugendliche und ihre Familien. Alle interviewten Erwachsenen wussten zum Zeitpunkt des Gesprächs, dass sie in naher Zukunft sterben werden.



Das Kunstprojekt eignet sich, um Diskussionen zu existenziellen Fragen anzuregen. Wie wollen wir leben? Was bedeutet Lebensqualität in der letzten Lebensphase? Welche Werte sind wirklich wichtig?


Zwei ungewöhnliche Begegnungen im Hospiz - Ausschnitte aus dem Kunstprojekt Letzte Lieder



Zwei häufig gestellte Fragen:

1. Haben sterbende Menschen die Texte zu den Letzten Liedern geschrieben?

Stefan Weiller: "Nein. Alle Texte schreibe ich auf Grundlage von Gesprächen, die ich mit Menschen am Lebensende in Hospizen, Pflegeeinrichtungen oder in deren Zuhause führe."

2. Handelt es sich bei den Texten um Originalzitate?

Stefan Weiller: "Nein. In keinem meiner Projekte verwende ich Originalzitate. Aus den Gesprächen, die ich mit Menschen für meine Projekte führe, entstehen aufwendig recherchierte Musik-Theaterprojekt nach realen Begegnungen.

  • Ich war bei all diesen Menschen.
  • Ich war an all diesen Orten.
  • Ich habe mit all diesen Menschen gesprochen und ihre Geschichte anhören dürfen.

Aber ich schreibe die Texte immer nur als freie Nacherzählung und ich wähle die Schwerpunkte.

Wie in jedem Theaterstück und jedem Film sind die Dialoge und Aussagen in meinen Arbeiten das Werk eines Autors, der nach wahren Motiven und tatsächlichen Begebenheiten schreibt.

Die Botschaften, Betrachtungen und Gedankenimpulse der Menschen, die ich zum Gespräch treffe, sind wahrhaftig und wahrheitsgetreu; die Sprache, die ich für die Zusammenfassung der häufig sehr langen und intensiven Gespräche verwende, ist jedoch meine eigene, zweifellos von den jeweiligen Gesprächspartnern beeinflusste Sprache. Ich wähle für meine Aufführungstexte einen umgangssprachlichen und leicht fassbaren Stil. Alles andere wäre gekünstelt und falsch.

Meine Werke weisen dokumentarische Bezüge auf, aber es handelt sich niemals um Dokumentationen, sondern um Kunstwerke, die zur Aufführung gebracht und veröffentlicht werden sollen. Es gibt keine Aufzeichnungen und Mitschnitte aus den Interviews, direkte Mitschriften und Mikrophone hätten sich in den Begegnungen aus meiner Sicht verboten – und das wurde von den meisten meiner Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern auch so gewünscht: Name und persönliche Merkmale sollten vor der Öffentlichkeit geschützt bleiben.

Trotzdem lasse ich Menschen sprechen und gebe ihnen typgerechte eine Stimme - wie jeder andere Autor für Buch, Bühne und Film."

 


Foto-Impressionen Hamburger Letzte Lieder

Fotos: Ralf Kopp, www.ralfkopp.biz

Foto-Impressionen Erstaufführung Frankfurt

Fotos: Ralf Kopp, www.ralfkopp.biz