Beschreibung Konzertreihe "und die Welt steht still" - Letzte Lieder und Geschichten aus dem Hospiz

Bild Copyright: marcbartolo.com
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Hospize sind Häuser voller Leben. Das Bewusstsein, dass sich Menschen hier in ihren oftmals letzten irdischen Raum begeben, macht eine Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen, den Stationen der Vergangenheit, der Ungewissheit und den Hoffnungen für die Zukunft unausweichlich. Doch nicht nur der Tod steht im Zentrum aller Gedanken. In der Rückschau auf das eigene Leben finden sich viele unterschiedliche Erfahrungen, Begegnungen mit dem Glück, der Trauer, der Liebe, dem Erfolg und Misserfolg, dem Lachen und dem Weinen. Manche Menschen suchen im Hospiz die Auseinandersitzung mit den Dingen, denen sie in ihrem Leben Bedeutung beigegeben haben. Persönliche Vorlieben und Geschmäcker spielen hierbei eine Rolle, so nimmt mancher Patient eine Auswahl an Musik in das Hospiz mit, die manchmal mit besonderen Erinnerungen verbunden ist.

Gespräche für dieses Projekt finden aber nicht nur in Hospizen statt, sondern auch in anderen Räumen und Umgebungen, in denen Menschen ihre letzte Lebensphase verbringen. Alle Gesprächspartner werden, sofern sich nicht in einem Hospiz wohnen, von einem qualifizierten ambulanten Hospizdienst begleitet - dies ist Voraussetzung für die Teilnahme am Projekt.

marcbartolo.com
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Es gibt für viele Menschen einen „Soundtrack“ ihres Lebens. Das ist nicht nur bei ausgesprochenen Musikliebhabern der Fall, sondern bei vielen Menschen, die sich in ihrem Leben bewusst oder unbewusst mit Musik umgeben. Musik ist etwas zutiefst Menschliches, wie auch das Bewusstsein des eigenen Todes dem Menschen zueigen ist.

Jeder Radiohörer wird die Wunschkonzerte kennen, die Hörer zusammenstellen, weil sie mit bestimmten Liedern besondere Erfahrungen verbinden. Manchmal sind diese Geschichten auch anrührende Zeitdokumente und Beispiele für das Empfinden einer Generation, zugleich werden sie in der persönlichen Begegnung einzigartig. Aus einem Radiohit kann das Lied der ersten Liebe werden. Aus einem Kinderlied eine ewige Erinnerung an die Mutter, die ihrem Kind diese Melodie gesungen hat.

Aus der Bedeutung der Musik entsteht der Grundgedanke des Projekts „Und die Welt steht still“ - Letzte Lieder und Geschichten von Menschen in der letzten Lebensphase. Für das Projekt werden Lieder und Geschichten in Hospizen, stationären Einrichtungen oder bei von einem ambulanten Hospizdienst begleiteten Menschen gesammelt und miteinander zur Aufführung gebracht. Die Intensität der Empfindungen der Musik wird durch den Projekttitel betont, der zugleich in sich gebrochen ist, da auch die Endlichkeit des physischen Lebens darin enthalten ist.

Aus den Begegnungen und frei nach Motiven der Interviews im Hospiz schreibt Autor Stefan Weiller in freier Nacherzählung die Texte für seine Theaterprojekte.

Bild: Lena Obst
Bild: Lena Obst

Projekttitel "Und die Welt steht still"

 

 

Letztlich versammelt „Und die Welt steht still“ auch Glücksgeschichten – und das ausgerechnet aus Hospizen, die für viele Menschen aus der Distanz betrachtet zunächst vielleicht Schrecken und Unbehagen auslösen. Das Projekt will diese Distanz beseitigen helfen und einen Blick in den Alltag von Menschen im Hospiz ermöglichen.

 

Auch in der letzten Lebensphase gibt es eine „Alltagsnormalität“, wie man etwa als Besucher in Hospizen schnell feststellen kann. Hier wird ferngesehen, geplaudert, gescherzt, gelesen, gegessen, und eben auch Musik gehört – wie in vielen anderen Häusern auch. Bestimmt aber ändert sich die Haltung, mit der man diesen Alltag lebt, vielleicht hat es eine andere Bedeutung, die Lieder aus vergangenen Tagen wieder zu hören. In den erzählten Geschichten, in Hospizen gesammelten, sind letztlich persönliche Betrachtungen zum Leben enthalten.

 

Aus einigen Gesprächen, die von Stefan Weiller in Hospizen von Hamburg bis Bayern geführt wurden, ging hervor, dass die benannten Lieder oft eigentlich jene wären, die auf der Beerdigung gespielt werden müssten. Aber der mitunter starke Ausdruck von Lebensfreude und Energie, der in manchen Liedern zu finden ist, stünde der gefühlten Verpflichtung zu Pietät und Rücksichtnahme auf die trauernden Verwandten entgegen, weshalb diese „Lebenslieder“ dann doch nicht bei der Trauerfeier gespielt werden. Das Projekt bewahrt Lebenslieder, Geschichten und Empfindungen, die sonst vielleicht mit dem Tod des Menschen, der sie erfahren hat, vergehen würden.

 

Die Aufführungen der Letzten Lieder werden von Menschen in ihrer letzten Lebensphase geprägt. Das macht das Projekt spannend, glaubwürdig und vielseitig.


Charakter und Verständnis des Projekts

Die Letzten Lieder verstehen sich nicht als Benefiz-Projekt, sondern grenzen sich hiervon sehr deutlich ab. Sie sind eine musikalische Reportage über das Leben in der letzten Lebensphase und ein sich wandelndes Bühnenwerk mit hohem künstlerischem Anspruch.

 

Es würde das gesamte Projektanliegen beschädigen, wenn die sinnliche Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen des Lebens, wie sie in "Und die Welt steht still" aufgegriffen werden, mit den Begriffen "Benefiz", "Charity", "Spendengala" und "Wohltätigkeitsveranstaltung" verfälscht und entstellt werden würde.

Die Menschen, die Autor Stefan Weiller in Interviews von ihren Liedern und Geschichten erzählten, haben dies unter der Voraussetzung der Entstehung eines Kunstprojekts getan, nicht aber zur Umsetzung einer herkömmlichen Spendengala. Es geht im Projekt "Letzte Lieder" nicht um Spenden, sondern um Geschichten vom Leben und Sterben, die Autor Stefan Weiller für ein Buchprojekt recherchiert und verfasst.

 

Dennoch können gemeinnützige Veranstalter das Projekt in Absprache mit Projektinitiator Stefan Weiller nutzen, um im Umfeld der Aufführung auf ihren Spendenbedarf hinzuweisen.

Ein großes Missverständnis besteht in der Annahme, dass es sich bei den Texten in den Projekten "Letzte Lieder" und "Letzte Liebeslieder" um O-Töne und Wortlautinterviews handelt. Alle Texte schreibt ausschließlich der Autor Stefan Weiller frei in seiner Sprache. Kein Gespräch wurde jemals schriftlich oder elektronisch aufgezeichnet. Die Texte schreibt Weiller einzig aus seinem Gedächtnis.