Wanderausstellung Letzte Lieder

Welche Bilanz ziehen Menschen am Lebensende? Was haben sie der Gesellschaft zu sagen?

Für diese Ausstellung hat Weiller einige Stücke und Geschichten aus den Letzten Liedern herausgegriffen und zu Videos ver­arbeitet. Die Besonderheit: Alle Beiträge  setzen sich mit der Erfahrung von sozialer Ausgrenzung auseinander. Es sind Vermächtnisse aus teilweise dunkler Zeit; sie berichten im Spiegel des zu Ende gehenden Lebens von Ausgrenzung, Ungerechtigkeit, Unterdrückung, von der Sehnsucht nach Freiheit und Respekt – oft geprägt von Humor und Stärke und immer verbunden mit Musik des Lebens. Die Schicksale sind anonymisiert; sie sollen nicht miteinander verglichen oder gegen­einander aufgewogen werden; jedes steht für sich, eine bestimmte Zeit und Persön­lichkeit – und für eine gesellschaftliche Haltung. Alle Menschen, deren Erfahrungen von Weiller frei nacherzählt werden, sind inzwischen verstorben.

 

Für diese Arbeit sammelte Weiller gebrauchte Notenständer, denen man ihre Konzert­geschichte ansieht. An jeder Station stehen Noten der Stücke, um die es in den Geschichten geht.

 

1.     Das schönste Geräusch

ein obdachloser Mann (*1951) erzählt vom wundervollsten Ge­räusch der Welt

 

2.     Cakmak – Sibel Can

eine Deutsch-Türkin (*1962) erzählt von ihrer Liebe zu Deutschland, der Türkei, Europa – und von ihren Sorgen um ihre Familie

 

3.     Aufforderung zum Tanz – Carl Maria von Weber

ein Mann (*1928) erzählt in einer Kindheitserinnerung von einem jüdischen Nachbarn, der von den Bewohnern eines Dorfes gedemütigt wurde – und später in ein Vernichtungslager depor­tiert

 

4.     Gefangenenchor, Nabucco – Guiseppe Verdi

eine Frau (*1940) erzählt von der Musik ihrer Scheidung, die ihr in den 1970er Jahren, als Frauen ohne Zustimmung des Mannes keinem Beruf nachgehen und kein eigenes Bank­konto führen durften, zur sehnsuchts­vollen Befreiungshymne wurde.

 

5.     Bajuschki Baju

ein Flüchtling (*Alter und genaue Herkunft unbekannt, ca. 20-25 Jahre) er­zählt – nahezu ohne Worte – von letzter Hoffnung

 

6.     My Yiddishe Mome – Yellen, Pollock

eine jüdische Frau (*1932) erzählt vom Nationalsozialismus in Deutsch­land und vom Ver­lieren und Finden der Mutter

 

7.     Smalltown Boy – Bronski Beat

ein schwuler Mann (*1969) erzählt aus der Perspektive der 1980er Jahre von Anfechtungen in Schule und Familie


Ausleihe: Ausstellung Letzte Lieder bei Ihnen zu Gast

Die Ausstellung besteht aus:

Notenständern mit Video-Monitoren, Kopfhörer, Musiknoten

 

Audiomitschnitte aus Live-Aufführungen der Reihe „..und die Welt steht still... Letzte Lieder und Geschichten" und Studioaufnahmen einiger Geschichten aus dem Buch Letzte Lieder.

 

Die Ausstellung wird stetig erweitert und inhaltlich auch auf andere Themen ausgeweitet.

 

Die Ausstellung kann entliehen werden. Bitte nehmen Sie Kontakt auf.




Der Auftakt dieser Ausstellung fand in der Documenta-Halle in Kassel im Rahmen des Projekts "Kunst trotzt Ausgrenzung" statt.


Präsentation in der documenta-Halle in Kassel im Rahmen der Ausstellung "Kunst trotzt Ausgrenzung"
Präsentation in der documenta-Halle in Kassel im Rahmen der Ausstellung "Kunst trotzt Ausgrenzung"