Entstehung und Umsetzung

Damit fing alles an...

Stefan Weiller beschreibt im Video den Impuls für sein Projekt "und die Welt steht still... Letzte Lieder und Geschichten".


Seit 2010 wurden mit Menschen in den Hospizen - zunächst in Wiesbaden und im Evangelischen Hospiz Frankfurt am Main - Gespräche zur Musik ihres Lebens und zu Geschichten, die sie mit diesen Musiken verbinden, geführt. Auch einige Angehörige haben sich an diesem Projekt beteiligt. Gespräche wurden auch mit Menschen geführt, die ihre letzte Lebensphase zuhause verbringen und von einem ambulanten Hospizdienst begleitet werden, oder in stationären Einrichtungen und Altersheimen wohnen.

Mittlerweile fanden Gespräche mit Menschen von Bayern bis Hamburg statt. Mit Zustimmung der Beteiligten werden die Lieder und Geschichten aufgeführt.

Die Gespräche werden von Stefan Weiller in Gedächtnisprotokollen nachträglich festgehalten. Auf Tonaufzeichnung oder Filmaufnahmen wird verzichtet. O-Töne oder Selbstbeschreibungen werden nicht verwendet. Stefan Weiller schreibt die Texte aus den Motiven und Gesprächsinhalten und stellt für jede Aufführung eine spannende, manchmal heitere, manchmal ernste, und immer bewegende musikalische Reportage zusammen.

 

Das Projekt wird von Weiller langfristig weitergeführt und für viele Städte erarbeitet. Schon jetzt lässt sich sagen: Jede Region hat ihren eigenen Klang.

Die Geschichten, die Stefan Weiller im Projekt Letzte Lieder schreibt, werden 2017 im gleichnamigen Buch veröffentlicht.


Projekt im Wandel

Ursprünglich sollte das Projekt ausschließlich Lieder und Geschichten von Bewohnern bzw. Patienten aus dem Hospiz aufgreifen. Die Sichtweisen und Beiträge von Angehörigen waren in der ersten Konzeption nicht vorgesehen. Das Projekt wird aber auf vielfachen Wunsch der Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner im Hospiz um diesen Aspekt erweitert. Im Zentrum stehen jedoch weiterhin die Musik und Lebensgeschichten.


Welche Menschen haben sich bislang am Projekt beteiligt und wie werden die Interviews geführt?

Szene der Erstaufführung
Szene der Erstaufführung

Es haben sich Menschen am Projekt beteiligt, die über ihre Situation offen sprechen konnten und wollten. Angst vor dem Sterben und dem Tod wurde von manchem formuliert, doch nicht jeder sprach von diesen Ängsten oder gab sie zu erkennen. Sogar ein friedlicher, gelöster Umgang mit dem eigenen Tod war anzutreffen. Aber auch Trauer und – immer wieder – ein gebrochener und mitunter sogar befreiter Humor tauchte in den Gesprächen auf. Auffällig ist, dass die Menschen in den Gesprächen oft lächelten, oder sogar lachten, und manches Mal wurde auch geweint. Viele sprachen davon, mit welchen Gefühlen sie ins Hospiz gingen und wie sie das Leben an diesem Ort empfinden.

 

Die Jahreszeit, in der die Gespräche stattfanden, war für viele Menschen wichtig und wurde thematisiert. Die Themenvielfalt wählten die Menschen meist selbst aus, es gab keinen festen Fragekatalog. Die Interviews werden nicht aufgezeichnet.

 

Viele der Gedanken, die im Projekt zu hören und zu lesen sind, entstehen erst im Dialog mit Stefan Weiller. Die Basis der Texte sind Begegnungen, Interviews, Gespräche, die von den Gedanken und vom Verstehen des Interviewers mitbeeinflusst sind. Insofern begegnet man im Projekt auch dem Autor Stefan Weiller, der seine Texte, wie viele Autoren, sorgfältig recherchiert.

Es handelt sich bei den Texten in vielen Fällen nicht um die wortwörtlichen Formulierungen der interviewten Menschen, sondern um freie Auswertungen der Gedächtnisprotokolle, die Weiller nach jedem Interview in großer inhaltlicher Treue erstellt.

 

Die Dauer der Gespräche bestimmten die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, sie lag zwischen 45 Minuten und zwei Stunden. Einige Gespräche mussten nach wenigen Minuten beendet werden, wenn die Kraft der Interviewpartner erkennbar nicht mehr ausreichte.

 

Niemals wurden bohrende Nachfragen, allzu persönliche und belastende Fragen gestellt. Damit ausreichend viele Gespräche geführt wurden konnten, die für die Umsetzung des Projekts nötig waren, musste ein langer Vorlauf eingeplant werden.

 

In einigen Fällen spielten die interviewten Menschen ihre Lieblingsmusik direkt mit einem CD- oder MP3-Spieler vor und erklärten ihre Empfindungen bei einigen musikalischen Passagen.