Hintergründe des Projekts

Plakat der Erstaufführung
Plakat der Erstaufführung

in den Projekten Letzte Lieder und Letzte Liebeslieder erzählt Stefan Weiller frei nach Motiven das Leben und Sterben von Menschen im Hospiz nach. Es geht weder um eine "Schöner-sterben"-Veranstaltung, noch ist das Projekt speziell weltanschaulich ausgerichtet oder spirituell überhöht.  Zurschaustellung wird nicht betrieben, sondern klar vermieden.

Das Projekt versteht sich nicht als Ratgeber oder Leitfaden, kann aber sehr wohl neue Gedankenimpulse für Lebensveränderungen aussenden.

Das Projekt wagt es, gefühlsbetont zu sein, aber zugleich wird auf Verklärung verzichtet. Viel mehr wird das Alltagserleben – denn auch in Hospizen werden alltägliche, wiederkehrende Abläufe gelebt – behutsam nachgezeichnet.

 

Letztlich entscheiden die Gesprächspartner, die die Gespräche freiwillig führen und den Projektinitiator dazu einladen, worüber gesprochen wird und welchen Charakter die Veranstaltung annimmt. Viele Menschen haben sich mit der Projektidee verbunden und zu Gesprächen eingeladen – ohne diese Zusagen und Unterstützung wäre das Vorhaben nicht umsetzbar gewesen. Dass die Gesprächsinhalte in eine Veranstaltung münden werden, war und ist allen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern klar – sie unterstützen das Anliegen mit ihrer Gesprächsbereitschaft und Themenwahl.

Die Gespräche finden in ruhiger Atmosphäre statt, jedem Gesprächspartner wird Anonymität zugesichert, wobei nicht alle dies tatsächlich erwarten oder unbedingt wünschen. Viele schätzen sogar, einen Beitrag für ein Kunstprojekt leisten zu können. Niemand wurde zum Interview überredet oder dazu gedrängt.

Musik spielt im Leben, aber auch auf Beerdigungen vieler Menschen eine große Rolle. Auch im Hospiz wird Musik gehört – oft ist Musik dort, wie an jedem anderen Ort, ein Spiegel der eigenen Biografie, ein Medium, das starke Gefühle auslöst. Die Liedauswahl zur Veranstaltung treffen die Gesprächspartner wie in einem Wunschkonzert, ein beliebtes und etabliertes Format im Radio, bei dem mancher auch eine kleine Geschichte erzählt, die er mit dem gewünschten Lied verbindet. Komplizierter ist das Projekt nicht, weiter dringt es nicht in die Menschen vor. Wenn jemand mehr erzählen will, wird ihm das nicht verweigert. Meeresrauschen, Blätterrascheln wurde mehrfach als schönste Musik genannt, genauso wie Mozart, Sting, Cornelia Froboess und sogar das Knattern von Motorrädern.

Manche Lieder widmen sich direkt dem Sterben: "Wie das Glas in meiner Hand" - ein Lied, bei dem es explizit um das Sterben geht - wurde von einer 81-jährigen Frau im Hospiz genannt; sie hörte das Lied einige Tage zuvor im Fernsehen, mochte es sehr und fand die Idee ganz toll, dieses Lied der Veranstaltung beizugeben. Auch teilten manche Menschen ihre Gedanken und Vorkehrungen zur Trauerfeier und zur Musik, die dabei erklingen soll. Aus diesem Grund werden auch einige traditionelle Kirchen- und Volkslieder integriert.

 

Es ist klar, dass das Thema Sterben und Hospiz viele Menschen bewegt und sogar aufwühlt. Das Projekt wird starke Gefühle hervorrufen und – wie bei Musik immer – vielleicht nicht jedermanns Geschmack und Nerv treffen.

 

Sterben ist individuell. Sterben und Trauer sollen privat bleiben dürfen, aber - wer will - soll darüber reden, schweigen, gemeinsam nachdenken, darüber Lieder singen und Flüche, oder Gebete sprechen dürfen.