Information für Journalisten


Die Letzten Lieder bringen manche Fragen mit sich. Aus Begegnungen mit Journalisten stelle ich auf dieser Seite einige Fragen und Antworten aus Begegnungen zusammen, die Journalisten dabei helfen können, das Projekt noch besser zu verstehen.


Stefan Weiller erzählt von den Entstehungsphasen des Projekts

Juli 2015

In diesem Monat wurde ich wieder einmal bei Interviews für das Projekt Letzte Lieder von einer Journalistin begleitet. Was ich an Begegnungen mit Journalisten unter anderem so schätze finde, sind die kritischen Fragen, die noch lange in mir nachklingen. Oder die Denkanstöße, die mir dabei helfen, das Projekt noch besser kennenzulernen - obwohl es mein eigenes Projekt ist, entdecke ich im Dialog immer neue Facetten.


Es beschäftigt mich die Frage der Journalistin nach meinem Selbstbild und meinem Selbstverständnis. Als was sehe ich mich? Was will ich mit dem Projekt erreichen?

Foto entstanden bei einem Pressetermin im HR-Studio
Foto entstanden bei einem Pressetermin im HR-Studio

Ich probiere eine Antwort: Wie jeder Autor, will ich gute, packende Geschichten erzählen. Gut recherchierte, berührende, echte, gut geschriebene Geschichten. Wenn es mir zudem noch gelänge, Menschen einen neuen Gedanken, eine Frage für ihr Leben und Sterben mitzugeben, dann wäre das wunderbar. Aber ob ich das schaffe und was ich schaffe, das müssen andere beantworten. Da ich die Arbeit von Hospizen und Hospizdiensten so wertvoll finde, freut es mich, wenn meine Arbeit für die beteiligten Hospize zu Spenden führt.

Aber die Letzten Lieder sind für mich weit mehr als ein von einem Benefizgedanken geleitetes Projekt. Es stecken so tiefe, leichte, schöne, bittere, dunkle, strahlende, kluge, bewegende Erfahrungen, Geschichten und Lieder darin, dass ich daran glaube, jeder Besucher der Abende wird etwas mitnehmen können. Das fände ich wunderbar! Dass die Letzten Lieder an jedem Ort ihre Gestalt wandeln, finde ich absolut faszinierend.

 

Die durchdachte, geplante, anspruchsvolle Verbindung aus Geschichten und Musik und Bildern und Tanz und vielen Dingen mehr, macht das Projekt "und die Welt steht still... Letzte Lieder und Geschichten" zu einem Gesamtkunstwerk, hinter dem ich stehe und stecke. Insofern nehme ich die Zuschreibung "Künstler" an, so sie mir verliehen wird.

 

Manchmal scheinen Journalisten, die bei Interviews dabei sind, verwundert über die Lockerheit der Gespräche und staunen über die Tatsache, dass ich nicht viel intensivere Nachfrage über das Sterben und den Tod stelle. Aber ich lasse die Menschen, die mich einladen, über die Inhalte des Gesprächs entscheiden.


Keine Begegnung im Projekt Letzte Lieder ist repräsentativ für eine andere. Gemeinsam ist allen nur das Wissen um die nahe Endlichkeit des Lebens. Aber jeder und jede geht anders damit um. Es gibt extrovertierte Menschen, die sich Geschichten zurechtlegten und mit Wucht, Humor und Offenheit viel von sich erzählen wollen. Lebens- und Zeitgeschichten.


Und es gibt Menschen, die laden mich für eine Plauderei ein. Wieder andere wagen es, mit mir über intensiv und direkt ihren Tod zu sprechen, ihre Angst, ihre Hoffnung, ihre Wut, ihre Trauer, ihre Konflikte und Zweifel. Ein Mann, den ich bislang immer nur in Begleitung seiner Frau antraf, lud mich nochmal mit der Bitte ein, mich alleine sprechen zu dürfen. Dann erzählte er mir, wie viel Disziplin ihm das Sterben abverlangt und was er für andere in dieser Situation tun möchte: er möchte es den anderen leicht machen. Das und vieles andere wollte er mir noch sagen und mitgeben für das Projekt und er nahm mir das Versprechen ab, dass er es anonym erzählen darf, damit seine Frau, die er über alles liebt, nicht belastet wird. Er hatte das Gefühl, bei der ersten Begegnung in seiner guten Laune nicht ganz aufrichtig gewesen zu sein. Und er wollte das Bild in einer weiteren Begegnung vervollständigen.

Es gibt auch Begegnungen, die auf den ersten Blick nicht sehr tiefgründig erscheinen, aber das ist die Qualität eines Projekts, das vom Leben in der letzten Lebensphase erzählt: Nicht jeder Satz muss ein starkes Bekenntnis sein, eine kluge Botschaft für die Welt, ein pathetisches "letztes Wort". Manchmal kann man auch übers Essen reden, übers Wetter, oder die Halbglatze von Prinz William. Es gibt auch in der Situation im Hospiz noch Alltag - und das tröstet mich, denn auch ich bin nicht den ganzen Tag meines Lebens philosophisch, tiefgründig - und muss es auch im Sterben nicht sein. Wie schön, wenn ich kantige, witzige, angriffslustige, eigentümliche, kuriose, zarte, einfach immer andere Individuen treffen darf, die mich durch ein Gespräch führen.

 

Es ist eine völlig andere Situation, ob ich Menschen alleine antreffe oder in journalistischer Begleitung. Auch ich agiere anders, wenn weitere Menschen im Zimmer sind. Aber immer bin ich nach besten Möglichkeiten respektvoll. Menschen, die oft nur noch Tage zur Verfügung haben, schenken dem Projekt freiwillig und bewusst Stunden ihrer Zeit - das ist eigentlich unglaublich! Ich bin darüber so dankbar!

 

Im Beisein der Medien - über deren Interesse ich mich sehr freue, denn damit tauschen sich Menschen zu den Themen aus, die ich im Projekt anbiete - reagieren die meisten Menschen, die ich kenne, anders; sie bleiben verhaltener, diskreter, ein wenig abwägender, weil sie wissen, dass ihre Worte im Moment dokumentiert werden. Deshalb schreibe ich nicht mit.

 

Es ist nicht zu vermeiden, dass man im Projekt auch mir begegnet, aber das ist in jeder anderen Arbeit eines Autors im Theater, bei einer Zeitung, in den Nachrichten auch nicht anders.