neu

Statt nur auf Facebook kann man die Gedanken und Ereignisse zu den Letzten Liedern ab sofort vor allem hier lesen: ohne sich anzumelden, ohne ein Profil zu erstellen und ohne sich den Regeln von Facebook zu unterwerfen. Die Facebookseite wird natürlich weiterhin gepflegt - danke für alle "Gefällt mir"-Klicks.

Letzte Lieder brauchen jedoch Zeit und manchmal Raum - und Menschen, die sich Zeit lassen können. Deshalb werden hier Geschichten ausführlicher erzählt und es werden auf dieser Seite spannende Zusatzinformationen zu finden sein, die es nicht auf Facebook gibt.


Neues zu den Niedersächsischen Letzten Liedern, Update 23.06.2019

Dieser Flötenspieler steht im Flur des Hospizes in Bad Pyrmont. Ob man mit der Flöte in der Lage wäre, den ersten Musikwunsch, der für die Niedersächsischen Letzten Lieder - die erste Bearbeitung, die exklusiv für ein ganzes Bundesland entsteht und im Oktober 2020 in Hannover gezeigt wird - zu spielen? Der erste Musiktitel stammt aus dem Hospiz in Buchholz in der Nordheide: Ozzy Osbourne + Lita Ford "If I Close My Eyes Forever"

 

Was würde Sie beschäftigen, wenn Sie wüssten, dass Sie bald die Augen für immer schließen?

Die Geschichte zum Lied ist wild und faszinierend.

Aus dem hübschen Bad Pyrmont gibt es übrigens gleich zwei neue Lieder und Geschichten.

Vorab-Informationen und Bilder werden dazu vor allem auf der Homepage der Letzten Lieder zu finden sein, auf der Seite: https://www.und-die-welt-steht-still.de/termine/neu/

Längere Texte, mehr Bilder, gesammelte Informationen werden künftig auf der Homepage veröffentlicht. Die Facebookseite geht in Sommerpause, bleibt aber natürlich erhalten, doch auf letzte-lieder.de spielt eigentlich die Musik. Während der nächsten Monate werden viele neue Dinge rund um die Letzten Lieder vorbereitet: spannende, initeressante, große. Was? Das wird noch nicht verraten, aber auf der Projekthomepage finden Sie kontinuierlich neue Hinweise. Genießen Sie den Sommer, hoffentlich mit ein paar Regentagen....

Mehr Informationen zu den Niedersächsischen Letzten Liedern


Gedanke vom 20. Juni 2019

„Reden wir über Ihren Körper. Stellen Sie sich vor, Sie hatten zu Ihrem Körper dieses seltsam gespaltene, lebenslange Verhältnis. In Kinderzeiten haben Sie Ihre Eltern gelehrt, dass Ihr Körper Anlass zur Scham sein kann, dass es Bereiche Ihres Körpers gibt, die Sie nicht zeigen, nicht anfassen, geschweige denn genießen dürfen. Sogar darüber zu sprechen, berührte ein Tabu. Warum? – das konnte Ihnen niemand so genau erklären. Um Ihren Körper noch besser zu kontrollieren, untermauerte man die Verbote und Ihre Scham vielleicht mit einem strafenden Gott, der Ihren Leib verhüllt und verschwiegen am liebsten mag. Ihren Körper betrachteten Sie als eine Art Maschine. Und so gingen und gehen Sie durch das Leben, ohne besonders über Ihren Körper nachzudenken. Sicher, vielleicht haben Sie mit einem anderen Menschen Ihren Körper ausprobiert. Sie und Ihr Körper – das war okay. Aber so richtig befreit und selig geliebt, haben Sie ihn vielleicht nie. Sie wurden älter und haben Ihren Körper gepflegt, gefüttert, eingecremt, bewegt so nötig es nur war. Eigentlich war es Ihnen am liebsten, Ihren Körper gar nicht zu spüren. Er sollte still funktionieren. Und eines Tages wurde Ihr Körper vielleicht krank, so krank, dass er bald nicht mehr der Raum für Ihre Seele bleiben würde. Ein Tumor fraß sich durch das Gewebe. Plötzlich fühlten Sie ihren Körper neu, anders, noch fremder, sofern das überhaupt möglich war. Und Sie schauten auf Regionen und Empfindungen Ihres versehrten Körpers, die Sie vorher ausgeblendet hatten. Und Sie nun sehen ihn neu, diesen wichtigsten, unverzichtbaren, vollkommenen Lebensraum Ihrer Seele. Dann endlich beginnen Sie ihn zu lieben, verzweifelt zu lieben – und sich und die Menschen, die Sie zur Prüderie erzogen, beginnen Sie zu hassen, weil Sie den Wert Ihres Körpers, die Schönheit, die Würde, den Genuss und die Freude erst erkennen konnten, als Sie alles verlieren sollten. Lieben Sie Ihren Körper.“

 

Diese Betrachtung ist eine freie Zusammenfassung einer neuen Begegnung mit einer Frau im Hospiz. Sie leidet an Unterleibskrebs und bedauert, sich und ihren Körper nicht viel mehr beachtet und geliebt zu haben. Mögen Gesunde daraus ihre Lehren ziehen. Nicht erst im Hospiz.


Gedanke vom 12. Juni 2019

Vor 25 Jahren wurde Paragraph 175 gestrichen, der Homosexualität unter Strafe stellte. Der so genannte Schwulen-Paragraph brachte viel Leid über homosexuelle Menschen und ihre Familien.
Erst eine Generation kann ohne Angst vor strafrechtlicher Verfolgung aufwachsen und frei leben und lieben. Musik und Popkultur waren da fortschrittlicher; sie ebneten schon viel länger den Weg zu mehr Respekt, machten sichtbar, was rechtlich unter Strafe stand und Teilen der Gesellschaft als krank galt.
Viele Musiken aus der „Schwulenszene“ haben sich in die Biografie von Menschen hineingeschrieben, die sich nach Anerkennung sehnten – sie hatten noch keine Freiheit, aber sie hatten bereits den Klang. Pet Shop Boys, Boy George, Soft Cell, Bronski Beat, Madonna, Holly Johnson, Melissa Etheridge, George Michael, ja sogar die kürzlich verstorbene Doris Day und viele mehr öffneten die Tür zu mehr Menschenwürde. 1953 sang Doris Day das Lied „Secret Love“, das viele als Ausdruck einer homosexuellen Sehnsucht deuteten, zumal Dors Day im dazu gehörigen Film in Männerkleidung auftrat - was damals noch als gewagt galt. Ob diese Botschaft wirklich in diesem Lied steckte?
Menschen suchten nach Zeichen, die sie hoffen ließen, eines Tages frei zu sein.


Für das Projekt und das Buch "Letzte Lieder" erzählten Menschen am Lebensende von ihren Befreiungshymnen, den Liedern, die ihnen die Kraft zum Durchhalten und Warten und zum Leben gab. Wie wichtig es ist, diese Erfahrungen und Lieder zu bewahren, zeigt die Tatsache, dass homosexuelle Partnerschaften immer noch in Frage gestellt werden: Ist es richtig, dass homosexuelle Partnerschaften der Ehe von heterosexuellen Paaren gleichgestellt sind? Was für eine Demütigung, dass darüber immer noch diskutiert wird. Darf man zu Homosexualität eine "Meinung" haben? Welche Meinung darf man dann zu Heterosexualität haben? Oder zu roten Haaren, oder zu Menschen, die beispielsweise 196 cm groß sind?

 

Die Anfechtungen sind leiser geworden, aber beendet sind sie nicht. Und alte Geister versuchen aus der Versenkung aufzutauchen und die Atmosphäre zu vergiften. 25 Jahre sind etwa ein Drittel eines Menschenlebens, aber eine kurze Zeit für gesellschaftliche Veränderungen. Was wird in 25 Jahren sein?
Zeiten ändern sich. Die Musik bleibt.

Hier ein paar Musikempfehlungen:
Same Thing, Boy George
https://www.youtube.com/watch?v=hvAYzUP1wiI

Secret Love, Doris Day
https://www.youtube.com/watch?v=fU8tQpCZEzg

Smalltown Boy, Bronski Beat:
https://www.youtube.com/watch?v=88sARuFu-tc

The Power Of Love, Frankie Goes To Hollywood
https://www.youtube.com/watch?v=NyoTvgPn0rU

Und während vor einiger Zeit das Musikvideo „Being Boring“ von den Pet Shop Boys auf Youtube einfach so angeschaut werden konnte, steht da am heutigen Tag (12.6.2019, 11:21 Uhr): „Melde dich an, um dein Alter zu bestätigen. Dieses Video ist eventuell für einige Nutzer unangemessen.“
https://www.youtube.com/watch?v=DnvFOaBoieE
Aber auf Vimeo ist es noch frei: https://vimeo.com/59015050

 

Und welches Lied gab Euch Kraft?

 

Link zum Buch Letzte Lieder: https://www.edelbooks.com/books/978-3-8419-0517-8/


Gedanke vom 6. Juni 2019

Wie klingt Niedersachsen? Am 4. Oktober 2020 wird es in der Marktkirche Hannover erstmals "Niedersächsische Letzte Lieder" geben. Ich werde dafür in sieben Hospizen in ganz Niedersachsen recherchieren. Auf Einladung der Diakonie Niedersachsen entsteht so ein überregionales Bild der vielseitigen Hospizlandschaft.

Mehr als "ein" Ereignis: Statt in eine einmalige Aufführung der Letzten Lieder zu münden, steht dieses Mal ein nachhaltiges, nachhallendes Konzept im Vordergrund. Es sind nachfolgend Veranstaltungen an allen sieben teilnehmenden Orten geplant.
Die Letzten Lieder verändern Haltungen und eröffnen neue Sichtweisen auf das Leben und Sterben. Dank der Diakonie nun gleich in einem ganzen Bundesland. Ich freue mich sehr über diese großartige Gelegenheit. Herzliche Grüße, Stefan Weiller
Informationen zur Hospizarbeit der Diakonie Niedersachsen: https://www.diakonie-in-niedersachsen.de/…/hospi…/index.html


Post vom 30. Mai 2019

... dann „wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen“ (Apg 1,11)
Himmelfahrt hat immer etwas von Abschied. Und von Zuversicht.
Mit meinem liebsten Wolkenlied wünsche ich Ihnen einen schönen Himmelfahrtstag. https://www.youtube.com/watch?v=aCnf46boC3I
Herzliche Grüße vom Schreibtisch, wo ich gerade an den Münchner Letzten Liedern schreibe, Ihr Stefan Weiller


Gedanke vom 25. Mai 2019

Eine aktuelle Begegnung in einem Hospiz in Norddeutschland:
Der Mann weiß, seine Generation bildete eine Ausnahme. Eltern und Großeltern, wohl alle seine Vorfahren kannten Kriege. Er nicht. Über 70 Jahre Frieden. Und jetzt? Muss er sterben. Was kümmert ihn Welt, da seine untergeht? Im Hospiz, den eigenen Tod vor Augen, könnte ihm doch vielleicht alles egal sein. Ist es aber nicht. Beunruhigende Nachrichten haben die Membran durchdrungen, die um das Leben in diesem Haus vermeintlich besteht. Sind da draußen wirklich Nationalisten auf dem Vormarsch? Werden sie gewählt? Eigentlich wollte der Mann im Hospiz von ganz anderer Musik erzählen, aber das eigene Lied ist nun nicht mehr so wichtig:

„Die bedeutendste Musik meines Lebens ist eine gemeinsame: die Europa-Hymne. Ich durfte mit den Privilegien eines zusammenwachsenden Europas leben. Und Beethovens Ode an die Freude war die Komposition, die unsere Völkerverständigung symbolisierte.
Für mich zählt diese Musik, weil wir bei ihr eins sein wollten und eins wurden. Es ist Musik, die in Gemeinschaft ihre wahre Größe annimmt; in einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig achtet, trägt, zuweilen aushält - und letztlich begreift, dass man ohne die anderen gar nicht freier ist, sondern vielleicht einfach nur mehr allein.“

Welches Lied singen die Menschen in Europa morgen, oder in fünf, zehn oder 70 Jahren? Wird es ein gemeinsames sein? Werden die Menschen in Europa ihr Glück noch gemeinsam suchen, oder wird jeder vor allem an sich denken?

Höchste Zeit, sich zu erinnern, was Europa bedeutet. Ist die Europa-Hymne auch die Musik Ihres Lebens? Oder singt und tanzt es sich Ihrer Ansicht nach besser alleine…

https://www.youtube.com/watch?v=tbCDFNRA-Wo

(Irritierend, dass ABBA einst den Soundtrack für eine Konferenz der britischen Tory Party lieferte.)